Donnerstag, 6. Mai 2010

STILLE in Gelsenkirchen II

Letztlich ist alles spekulieren darüber, ob öffentliches Meditieren funktioniert oder nicht, belanglos. Wenn Ihr in die Stadt geht, Euch dann in einer kontemplativen Haltung auf den Boden setzt und die Augen schließt, dann fühlt Ihr bereits in diesem ersten Moment, dass dies eines aufregensten und verantwortungsvollsten Abenteuer ist, die wir erleben können.

Öffentlichkeit hindert uns nicht. Öffentlichkeit ist unser Freund und unterstützt uns. Öffentlichkeit ist Veröffentlichung des Verborgenen – wir selber sind eine Veröffentlichung des Verborgenen.

Alles was wir zu tun haben ist dies:


Augen zu.
Mund zu.
Herz auf.

Was auch passiert - wir öffnen unser Herz immer ein weiteres Stück.

....


Vielleicht versuchst Du es in dieser Art: Lasse zuerst alles einige Minuten wirken. Lasse den Atem zu Dir kommen, der zu Dir kommt. Freunde Dich mit der Nervosität an – akzeptiere den Lärm und alles was eigentlich unakzeptabel ist. Nach einigen Minuten kannst Du ungefähr folgendes meditieren und der jeweiligen Situation anpassen:

Um mich herum ist viel Bewegung – ich sitze still.
Um mich herum wird viel geredet – ich schweige.


Die Bewegungen und die Geräusche kommen und gehen wie die Wolken kommen und gehen. Ich bin nicht die Wolken. Ich bin der Himmel.



Jetzt spricht ein Mann laut – gerade war er noch nicht da, nun spricht er laut, gleich wird seine Stimme verklingen. Eine laute Stimme kommt und geht – was bleibt ist die Stille, in der diese Stimmt laut wird.

Ein Auto fährt vorbei. Ich höre auf den Motor. Gerade war er nicht zu hören. Jetzt ist er laut...wird leiser...verschwindet. Ein wahres Bild für Vergänglichkeit.

Wilde Gedanken und nervöse Gefühle durchblitzen mich – nun, sie machen eben was Gefühle und Gedanken so machen und sie unterschieden sich durch das Auto nur dadurch, dass sie durch meinen Innenraum rasen – doch letztlich verschwinden sie immer wieder wie Autos, Fahrräder oder Straßenbahnen. Was bleibt?

Es bleibt der Raum, in dem sie erscheinen. Das weit geöffnete Herz.

Es bleibt das reine und liebende Bewusstsein in dem Autos und Gefühle auftauchen, eine Weile verbleiben und dann wieder verschwinden.

Ich bin der Zeuge, der sich meiner Person bewusst ist. Der Zeuge, der sich der ganzen Welt bewusst ist. Der ewige Raum in dem sich die Welt jetzt ereignet.

Die Öffentlichkeit um mich herum klingt wie ein wunderbares Theaterstück – ich sehe es, manches berührt mich, doch es geht vorbei, wie alles vorbei geht.

Wenn der Vorhang fällt ist am Ende wieder das, was immer ist: Der leere Raum. Die Stille. Diese Stille ist mein innerstes Wesen und nichts kann dieses Wesen berühren.


Um mich herum ist die bunte Vielheit und klingende Unterschiedlichkeit – auch ich, wie ich hier sitze bin ein anderer, als mein Nachbar.

Wenn wir nun unsere Augen wieder öffnen, dann suchen wir den Blick von unseren meditierenden Freunden und wir blicken ihnen in die Augen und was wir sehen ist das EINE, was auch aus unseren Augen schaut. Begegnung ist Selbstbegegnung.

Und so stehen wir gleich auf und jeder Mensch der uns anblickt weckt in uns eine stille Freude – weil es immer wieder das EINE ist, was das EINE sieht und sich an seiner eigenen lebendigen Vielheit und den mannigfaltigen Ausdrucksformen erfreut - und es will in allen Formen wachsen!

Ich öffnen nun die Augen als das EINE und ich sehe das EINE überall. Ich sehe mich überall - mein wahres Wesen in Dir. Ich begrüße die bunte und öffentliche Welt und ich begrüße mich, als die wunderschöne Veröffentlichung des unsagbaren EINEN.

Im losgehen fühle ich diesen dankbaren Gedanken:

Wie gigantisch schön und aufregend ist es doch, eine würdige und einzigartige Veröffentlichung des EINEN sein und werden zu dürfen. Wie schön ist es, das Wunder zu erleben, was einfach darin besteht, dass wir alle da sind.


Ich freue mich, Euch zur nächsten ÖKOMED-GUERILLA MEDITATION begrüßen zu dürfen:
GELSENKIRCHEN, HBF, Ausgang Bahnhofstraße, 14.5.2010, 16.00h!


Eine Veranstaltung im Rahmen von POTTFICTION-RUHR 1010

Kommentare:

Admin hat gesagt…

Diese Idee macht mir jetzt schon Freude. Danke. Meditation schein im Mainstream angekommen.

Sebastian Gronbach hat gesagt…

Es war eine wirklich feine ÖKOMED Public Meditation in Gelsenkirchen. Drei Meter neben "Deutschland such den Superdribbler!" Wir hatten wieder maximale Aufmerksamkeit für minimale Aktion. Eine Stimme: "Hätte man mehr NPD gewählt, wäre sowas nicht möglich... gewesen." Ein paar Jugendliche 30cm neben unserem Gesicht: "Haaalllooo!!!" Oder: "Guck mal, der kann es am besten". Andere diskutierten darüber, wie man "innerlich glücklich" wird. Ein paar Kinder setzen sich einige Momente still dazu. Und wir waren einfach nur da & still und öffneten unser Herz - immer weiter. Danke, Ihr Guerilla-Meditierer! WOW!