Montag, 7. September 2009

Augen zu! Mund zu! Herz auf!

Als mein Vater seinen zweiten oder dritten Hirnschlag hatte und ich alleine Zuhause saß, während meine Mutter mit ihrem Auto hinter dem Krankenwagen her in die Klinik fuhr, schaltete ich den Fernseher an. Ich weiss nicht mehr welche Sendung lief – aber ich weiss, dass dutzende Sendungen liefen. Eine lauter, schriller und penetranter als die andere. Ich dachte: „Wie kann das sein? Mein Vater kämpft mit dem Tod und ihr dreht das Glücksrad?“.

Was ich gebraucht hätte, wäre Stille. Keine tödliche Stille die zufällig und unheimlich da ist. Auch keine die entsteht wenn man alles abschaltet und ängstlich lauscht.

Nein, eine lebendige Stille. Eine Stille, die von Menschen gewollt ist. Jemand, der mit mir den einzigen Raum öffnet, in dem mein Schmerz nicht wie verrückt gegen die Wand rennt.

Eine raumlose Stille, die aus der Mitte des Menschen kommt. Eine Stille die machtvoll jeden Terror des inneren und äusseren Lärms aufnimmt. Eine bewusste Stille. Eine Stille, in der jeder Schmerz verklingt, jedes Leid an den uferlosen Weiten zerfließt und jeder kurzlebige Witz sich in der Ferne verläuft.

Eine Stille, in der jede Endlichkeit ihre ewige Ruhe findet. Eine Stille, die bis zu der Zeit reicht, als diese Erde noch unerschaffen war. Eine Stille, in der sich diese Vorzeit bis in unser Herz ausdehnt.
STILLE
Wenn wir öffentlich meditieren, dann retten wir damit nicht die Welt. Und wir meditieren auch nicht anstatt uns zu engagieren. Wir tun beides. Das eine kommt aus dem anderen. Die Stille ist unsere Kraft.

Wir meditieren öffentlich, weil durch uns die gute Stille sprechen soll. Diese Stille reinigt Dich – und sie reinigt den Ort. So eine Stille hätte ich gebraucht. Statt Glücksrad und LärmTV.

Wenn Du uns in Deiner Stadt siehst, dann komm einfach her – oder triff Dich schon vorher mit uns.

Mach mit: Augen zu. Mund zu. Herz auf. Stille spricht. Ja, vielleicht werden Sie dich komisch angucken – aber Du bist jetzt unberührbar. Du bist jetzt dasjenige, was keinen Trost mehr braucht, keine Hilfe und keine Erklärung und keine Hoffnung.

Du bist jenseits von allem. Und Du verstehst: Das Jenseits ist bereits immer schon im Diesseits. Mitten in Dir. Mitten im Lärm. Mitten in der Stadt.

Die Stille lebt ewig. Du warst immer diese Stille und hast sie nie verloren.
Darum ist die Stille größer als jede Erklärung und größer als die Hoffnung – sie ist immer in Dir. Auf die Stille kannst Du Dich verlassen.
STILLE

1 Kommentar:

Angelika hat gesagt…

Eine großartige Idee, diese öffentliche Meditation. Ich hoffe, viele junge Menschen sehen dadurch wieder Positives im Leben, lernen wieder, dass man ohne Gewalt leben kann und besinnen sich wieder auf sich selbst. Ich wünsche viel Erfolg für den 18.09.!