Dienstag, 14. Oktober 2008

Wir sind eine Veröffentlichung

Wie passt das denn zusammen: Totale Öffentlichkeit und tiefe Meditation? So oder ähnlich lauten die Fragen, die mir zu ÖKOMED gestellt werden. Meditation, dass sei doch etwas, was Ruhe, Abgeschiedenheit und äussere Stille erfordere. Das alles kann natürlich jeder so praktizieren und für mich selber ist das auch ein wichtiger spiritueller Baustein, den ich alleine und mit Freunden kultiviere – aber Meditation ist viel mehr und Öffentlichkeit ist nichts was stört, sondern etwas was hilft. Und natürlich ist öffentliches meditieren auch eine spitzen Herausforderung für unseren Geist. Anstatt aber darüber zu theoretisieren, warum Meditation und Öffentlichkeit passen, biete ich hier einmal eine Meditation an, wie sie sich besonders für ÖKOMED Aktionen eignet.

Letztlich ist alles spekulieren darüber, ob öffentliches Meditieren funktioniert oder nicht, belanglos. Wenn Ihr in die Stadt geht, Euch dann in einer kontemplativen Haltung auf den Boden setzt und die Augen schließt, dann fühlt Ihr bereits in diesem ersten Moment, dass dies eines aufregernsten und verantwortungsvollsten Abenteuer ist, die wir erleben können.

Ihr spürt, bereits in diesem Moment, dass alles vorherige Gerde darüber hinter dem zurückbleibt, was Ihr bei einer ÖKOMED werdet: Bewusste Veröffentlichungen der unsichtbaren Ewigkeit.

Öffentlichkeit hindert uns nicht. Öffentlichkeit ist unser Freund und unterstützt uns. Öffentlichkeit ist Veröffentlichung des Verborgenen – wir selber sind eine Veröffentlichung des Verborgenen.

Hier nun eine meditative Inspiration für eine ÖKOMED – dieser Text muss natürlich nicht auswendig gelernt werden, er dient nur als freie Anregung und selbstverständlich ist es auch möglich nur einen Satz oder einen kleinen Gedankengang zu übernehmen und individuell zu meditieren. Here we go. Besser: Here we sit.

Augen zu.
Mund zu.
Herz auf.

Lasse zuerst alles einige Minuten wirken. Lasse den Atem zu Dir kommen, der zu Dir kommt. Freunde Dich mit der Nervosität an – akzeptiere den Lärm und alles was eigentlich unakzeptabel ist. Nach einigen Minuten kannst Du ungefähr folgendes meditieren und der jeweiligen Situation anpassen:

Um mich herum ist viel Bewegung – ich sitze still.
Um mich herum wird viel geredet – ich schweige.

Die Bewegungen und die Geräusche kommen und gehen wie die Wellen kommen und gehen. Wellen sind nur die Oberfläche des Meeres – sie berühren niemals die Tiefe und die Stille und die Ewigkeit des ganzen Meeres.

Jetzt spricht ein Mann laut – gerade war er noch nicht da, nun spricht er laut, gleich wird seine Stimme verklingen. Eine laute Stimme kommt und geht – was bleibt ist die Stille in der diese Stimmt laut wird.

Ein Auto fährt vorbei. Ich höre auf den Motor. Gerade war er nicht zu hören. Jetzt ist er laut...wird leiser...verschwindet. Ein wahres Bild für Vergänglichkeit. Ein Bild auch für meine Person.

Wilde Gedanken und nervöse Gefühle durchblitzen mich – nun, sie machen eben was Gefühle und Gedanken so machen und sie unterschieden sich durch das Auto nur dadurch, dass sie durch meinen Innenraum rasen – doch letztlich verschwinden sie immer wieder wie Autos, Fahrräder oder Straßenbahnen. Was bleibt?

Es bleibt der Raum, in dem sie erscheinen.

Es bleibt das reine Bewusstsein in dem Autos und Gefühle auftauchen, eine Weile verbleiben und dann wieder verschwinden.

Laute Autos und leise Bäume sind wie meine Person. Sie kommen, bleiben, lärmen oder sind ruhig, aber am Ende verschwinden sie wieder – was bleibt ist dieses Ich-Bin, der eine Zeuge, der alles hält. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Dieser Zeuge BIN ICH. Ich bin nicht diese Person die hier sitzt – ich bin der Zeuge, der sich meiner Person bewusst ist. Der Zeuge, der sich der ganzen Welt bewusst ist. Der ewige Raum in dem sich die Welt jetzt ereignet.

Dieser Raum bin ich.
Dieses Bewusstsein bin ich.
Alles kommt und geht – was bleibt BIN ICH. Dieses tiefe Ich-Bin-Ich-Gefühl, welches in allen Menschen das selbe Ich-Bin-Ich-Gefühl ist.
ICH BIN.
Ohne Namen. Ohne Gesicht. Ohne Manifestation. Reine Achtsamkeit.
Der einzige Zeuge, der alles willkommen heißt – da sein lässt – und wieder ziehen lässt.

Jemand lacht.
Ich heiße das Lachen willkommen.

Das Lachen hört auf.
Ich verabschiede das Lachen.

Das Lachen ist fort.
Ich bin.

In mir lärmt es, wie es ausserhalb von mir lärmt.
Ich heiße den Lärm willkommen.

Der Lärm wird verändert sich.
Ich bin.

Der Lärm in mir und ausserhalb von mir stirbt.
Ich bin.

Die Öffentlichkeit um mich herum klingt wie ein wunderbares Theaterstück – ich sehe es, manches berührt mich, doch es geht vorbei, wie alles vorbei geht.

Wenn der Vorhang fällt ist am Ende wieder das, was immer ist: Der leere Raum. Die Stille.
Diese Stille ist mein innerstes Wesen und nichts kann dieses Wesen berühren – denn alles geht vorüber, wie die Menschen die jetzt vorüber gehen.

Was bleibt ist die makellose Schönheit der Leere, in der alles erscheint und wieder vergeht.

Um mich herum ist die bunte Vielheit und klingende Unterschiedlichkeit – auch ich, wie ich hier sitze bin ein anderer, als mein Nachbar.

Wir alle jedoch – das Bunte, das Klingende, die Lauten, die Leisen, die Unterschiedlichen – wir alle erschien im Bewusstsein des EINEN, der uns in seinem endlosen Frieden hält. Der EINE, der uns in seiner vollendeten Stille erscheinen und vergehen lässt und unser aller innerstes Wesen – so verschieden wir auch erscheinen – unser aller innersten Wesen ist dieses EINE.

Wir erscheinen als die VIELEN, unser Herz ist das EINE Herz von allem was lebt, stirbt und wieder lebt.

Wir blicken mit unterschiedlichste Augen – aber durch jedes Auge blickt die EINE.

Die Welt in der wir jetzt sitzen zeigt sich Vielfältig – einer dieser Vielfältigen sind wir bei dieser ÖKOMED. Aber unser eigentliches Wesen ist die EINE, welche sich in Vielfalt manifestiert.

Wenn wir nun unsere Augen wieder öffnen, dann suchen wir den Blick von unseren meditierenden Freunden und wir blicken ihnen in die Augen und was wir sehen ist das EINE, was auch aus unseren Augen schaut. Begegnung ist Selbstbegegnung.

Und so stehen wir gleich auf und jeder Mensch der uns anblickt weckt in uns eine stille, extatische Freude – weil es immer wieder das EINE ist, was das EINE sieht und sich an seiner eigenen lebendigen Vielheit und den mannigfaltigen Ausdrucksformen erfreut - und es will in allen Formen wachsen!

Ich öffnen nun die Augen als das EINE und ich sehe das EINE überall. "Im Weltenall im Seelengrund". Ich sehe mich überall.
Ich begrüße die bunte und öffentliche Welt und ich begrüße mich, als die wunderschöne Veröffentlichung des unsagbaren EINEN.

Im losgehen fühle ich diesen dankbaren Gedanken:

Wie gigantisch schön und aufregend ist es doch, eine würdige und einzigartige Veröffentlichung des EINEN werden zu dürfen.
LICHT UND LIEBE
licht und liebe
Bitte beachtet die aktuellen Termine für die Buchmesse - kurzfristig könnte es am Samstag auch in Bochum vor dem Schauspielhaus zu einer ÖKOMED kommen - hat jemand Lust?
LICHT UND LIEBE

Kommentare:

Noah K. hat gesagt…

Lieber Sebastian,

diese Inspiration hat mir schon sehr gut gefallen, als ich sie das erste mal las (ich schaue hier übrigens noch immer fast jeden Tag mal vorbei). Ich würde sie gerne ab den Worten "Um mich herum ist viel Bewegung – ich sitze still" auf meinem Blog Universale Mystik (http://universale-mystik.blogspot.com/) wiedergeben, natürlich mit link auf deinen Post, damit der gesamte Text gelesen werden kann.

Wärst du damit einverstanden?

Sebastian Gronbach hat gesagt…

Selbstverständlich!

Herzlich
Sebastian, auf Tour

Noah K. hat gesagt…

Vielen Dank!